Im zukunftsorientierten Dialog ist das Spannungsfeld der Pflege zwischen wachsenden Anforderungen, Professionalisierung, Ressourcenverknappung, Arbeitsbelastung, und der fehlenden psychosozialen Unterstützung im Fokus gestanden. Durch den Abend geleitete Dr. Annelies Fitzgerald als Institutsleitung des Karl Landsteiner Instituts für Human Resources und Human Faktors. Sie schaffte es eine ausgewogene und tiefgehende Diskussion in Gang zu setzen und auf zukünftige Herausforderungen im Gesundheitswesen respektive in der Pflege aufmerksam zu machen. Am Podium und mit dem Auditorium wurde angeregt diskutiert. Trotz der heißen Temperaturen nahmen sich 70 FachkollegInnen Zeit auch im Anschluss an die Veranstaltung sich in einem gemütlichen Ambiente zu den Themen weiterführend auszutauschen.

APSC Business Solutions war mit dabei. Mag. Sigrid Schmiedl, MA brachte im Rahmen der Diskussion die Sicht der Praxis und vor allem den Bedarf aus Arbeits- und Organisationspsychologischer Sicht und der Sicht der Unternehmensberatung ein. Die Quintessens ist: "Es braucht mehr psychosoziale Unterstützung für MitarbeiterInnen"! Der Bedarf an Organisationsentwicklung im Gesundheitswesen ist sehr groß, die Awareness diesbezüglich kann als gering ausgeprägt eingestuft werden.

Denn europäische Gesundheitsstatistiken zeigen, dass pflegende MitarbeiterInnen in der stationären Altenpflege einen bedeutsam schlechteren psychophysischen Gesundheitszustand aufweisen wie andere Berufsgruppen. Eine Zunahme bei der Arbeitsmenge, Zeitdruck, Lärm, Konflikte, schlechtes Teamklima, bei geringer Anerkennung und Wertschätzung kennzeichnen den Alltag.
Empirischen Daten betreffend des aktuellen Wissensstands im Bereich beruflicher Belastungen von Pflegekräften in Österreich sind aus BeraterInnensicht völlig unzulänglich vorhanden. Flächendeckende Daten auf Bundesebene fehlen als notwendige Grundlage für passgenaue Interventionen im Bereich der Organisationsentwicklung.
Mehr psychosoziale Unterstützungsprogramme wie fix implementierte ArbeitspsychologInnen, regelmäßige Teamentwicklungen, Sensibilisierung für psychosoziale Themen, eine Bereitschaft für Supervision und Beratung und die laufende Weiterbildung der MitarbeiterInnen aber auch die Organisationsentwicklung wird benötigt.

Siegrist, J./ Dragano, N. (2008): Psychosoziale Belastungen und Erkrankungsrisiken im Erwerbsleben; Psychosocial stress and disease risks in occupational life. Results of international studies on the demand-control and the effort-reward imbalance models. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesund-heitsschutz, 2008, Vol.51(3), S. 305-312.

GÖG – Gesundheit Österreich GmbH (2007): Pflegebericht 2007. URL: http://bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Praevention/Berichte/Oesterreichischer_Pflegebericht_2007 [Eingesehen am 19.05.2017]
SFS - Sozioökonomische Forschungsstelle (2011): Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastungen in den Gesundheitsberufen. URL: http://noe.arbeiterkammer.at/bilder/d122/Gesundheitsberufe.pdf [Eingesehen am 19.5.2017]

BMASK (2014): Österreichischer Pflegevorsorgebericht. Wien: BMASK 2014.
https://broschuerenservice.sozialministerium.at/Home/Download?publicationId=327 [Eingesehen am 19.5.2017]

Angerer, P., Siegrist, K. & Gündel, H. (2014). Psychosoziale Arbeitsbelastungen und Erkrankungsrisiken: Wissenschaftliches Gutachten (Expertise) im Auftrag des Landesinstituts für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf. In K. Seiler & P.-J. Jansing (Hrsg.), Erkrankungsrisiken durch arbeitsbedingte psychische Belastungen (S. 30–169). Düsseldorf: Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen.

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